Einfach mal machen – Mein Wochenende in Zürich

Wir brauchen mehr von “einfach mal machen”, statt “ich muss drüber nachdenken”.

Worauf noch warten, wenn es hier und jetzt umsetzbar ist? Auf wen warten? Warum warten?

Ist es deine Verunsicherung? Hast du Sorgen oder Ängste vor etwas? Möchtest du nicht ausbrechen? Bist du eher so der “Gewohnheits-Typ”?

Einfach mal machen

Viele Menschen macht der Gedanke an Veränderung Angst. Sie sind lieber unsichtbar im Trott, als auffällig im Wandel. Ein geregeltes Arbeitsverhältnis, keine oder nur kleine Zukuftsängste, ein ihnen bekannter Wochenablauf: Montags Fitnessstudio, dienstags Kaffee mit der Freundin, mittwochs Serienabend, donnerstags Lauftreff, am Freitag in die Weinbar mit Freunden, samstags Wocheneinkauf und Hausputz, Sonntag Brunch und Tatort.

Was Verrücktes?

Ja, doch, da hätte ich schon Lust drauf, aber wann anders.

Wann ist “wann anders”?

Dein Leben ist jetzt. Es findet im Moment statt und du kannst entscheiden, wie es verläuft. Möchtest du jeden Mittwoch deine Serie gucken oder bist du bereit für etwas Neues? Traust du dich, deinen Haushalt mal für ein Wochenende ruhen zu lassen und auszubrechen? Oder hast du Angst, etwas falsch zu machen, aufholen zu müssen, etwas nicht zu schaffen, oder dass es sich nicht lohnt?

Es lohnt sich, immer!

Egal, was du tust, welche Entscheidung du triffst oder auch nicht: Es lohnt sich. Du wirst eine Erfahrung machen, die dir etwas lehren wird.

Warum also nicht mal “ausbrechen”?

Jeder ist im Modus “Wanderlust”. Im Modus “Reise”. Bloß nicht zu Hause bleiben.

Spontan? Nein, es muss geplant sein.

Ich habe nur vom…bis…Urlaub. Leider keine Zeit.

Da hat Person-xy Geburtstag. Kann nicht.

Ach, da wollte ich schon …

Dann aber bitte nicht beschweren, wenn du irgendwann sagst, ja…ich weiß, ich wollte schon damals so gerne…

Und, warum hast du nicht?

 

Ich bin ausgebrochen. Für (m)ein Wochenende. Ein sehr kurzes.

 

Auf der einen Seite könnte man jetzt sagen, dass es völliger Quatsch war, sich von Freitagabend bis Sonntagmittag von Frankfurt nach Zürich zu begeben.

Zu wenig Zeit. Man kann kaum etwas sehen.

Auf der anderen Seite habe ich so viele Erlebnisse mit Menschen gemacht, die ich zu Hause, in meinem eigenen Dunstkreis, nie gemacht hätte. Wer sich immer nur in seiner eigenen Plörre bewegt, wird nie inspiriert werden.

Vor ein paar Jahren habe ich genau das gleiche mit Paris gemacht. Spontan entschieden: Ich muss weg. Brauche eine andere “Kultur”, “Sprache” und “Mentalität” um mich herum. Zack, saß ich im TGV nach Paris, hatte ein Bett in einem 10 er Zimmer in einem Hostel, keinen Plan, was ich eigentlich alleine dort möchte und hatte ein wunderschönes Wochenende, an das ich mich heute noch grinsend erinnere: Wie konnte ich nur? 😀

Es war der Drang, ein kleines bisschen mehr zu mir zu finden. Bei mir zu sein. Aber eben irgendwo, wo ich fremd bin.

Mich

mehr fühlen

mehr spüren

mehr wahrnehmen

wieder mehr zu selektieren

Was ist wirklich wichtig?

Zu Hause hast du 1.000 von Eindrücken jeden Tag, die dich daran erinnern, was zu deinem wöchentlichen Ablauf gehört. Ach, Samstag: Du solltest deinen Wocheneinkauf erledigen.

Aber wann hast du das letzte  Mal begonnen, nachzudenken, dich neu zurecht zu finden, fremde Menschen angesprochen und mit ihnen geredet?

Im Zug angekommen sitze ich in einem 6 er Abteil, was voll ist. Es gehen Passagiere und es kommen Neue hinzu.

Nachdem klar ist, dass der Zug in Baden Badischer Bahnhof enden wird, da wir schon zu viel Verspätung haben, als dass der Zug bis nach Zürich weiterfahren könnte, mache ich mich auf die Suche nach einem Zugbegleiter. Ich möchte herausfinden, wie die Reise nach Zürich für mich weitergeht.

Es ist kapp 19:00 Uhr. Ich finde keinen Zugbegleiter, qutasche dafür zwei Damen an, ob sie ebenfalls nach Zürich müssten und wüssten, wie es weiter geht.

Hieraus ergibt sich meine Zugbegleiterin bis kurz vor Zürich. Ich habe soeben eine Gamerin kennengelernt, mit der ich mich über Hund, Katze und Meerschweinchen unterhalte.

Durch meine eher blinde Hotelbuchung lande ich volle Kanne im Rotlichtviertel. Eine Erfahrung, die ich jetzt nicht unbedingt hätte machen müssen, aber gut. So habe ich was zum Lachen (im Nachhinein) und etwas zum Erzählen. Die nächtlichen Störgeräusche inklusive.

Im Alltag beobachte ich oft, dass fremde Menschen erschrocken sind oder fast zusammenzucken, wenn man sie anspricht. Eine Beobachtung, die ich eher erschreckend finde. Sind wir es nicht mehr gewohnt, miteinander zu kommunizieren?

Ohne die Kommunikation mit fremden Menschen, das einfache Zugehen auf sie und Fragen, wäre ich an dem Wochenende sicherlich noch länger planlos herumgeirrt. Nur auf mein Handy verlassen, möchte ich mich nicht. Ich finde ich ein seltsames Gefühl, auf sein Handy starrend den Weg zu suchen. Viel einfacher ist es doch, jemanden zu fragen, der sich auskennt und dann einfach den beschriebenen Weg abzulaufen, oder?

Das hat in Zürich prima geklappt. Ich war so baff von so viel Freundlichkeit und Höflichkeit. Die sagen tatsächlich “Hallo”, “bitte”, “danke”, “einen schönen Tag noch”. Verrückt! Oft habe ich bei mir zu Hause in der Gegend ja das Gefühl, ich sollte mein Geld lieber nicht im Kaffee, beim Bäcker oder sonst wo ausgeben. Da scheint jede Grußformel schon zu viel verlangt zu sein.

Vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück 🙂

Einfach mal ausbrechen und aufbrechen

In meinem letzten Blog-Post “Mein Plan mit dem Plan” habe ich euch schon ausführlich erklärt, weshalb es für mich keinen Sinn macht, einen Plan zu haben. Wer sich schon immer kontinuierlich bewegt, weiß, was er tut und kennt seinen Körper sehr gut.

Genau deshalb dachte ich mir: In kurzer Zeit möchtest du viel erleben, viel sehen, kennenlernen und dich auch bewegen. Was also tun? Der Zürichsee liegt zwischen Bergen, der Stadt und einer ländlichen Gegend, warum also nicht einmal drumherum laufe?

65 km to go!

Einfach mal so, einfach machen. Warum würdest du dich das trauen oder warum würdest du dich dagegen entscheiden?

Aus meiner Perspektive gibt es nur den Sieg, den du erlangen kannst. Du kannst nur gewinnen. Trau dich, wage etwas, probiere es aus und mache deine Erfahrungen damit.

Ich weiß, dass ich einen Marathon laufen kann.

Ich weiß, dass ich eine Mitteldistanz bestreiten kann.

Ich weiß, dass ich gesund bin.

Ich weiß, dass ich dafür brenne und Lust darauf habe.

Also kann ich.

Und mache ich. Denn ich kann mich nicht darüber beschweren, dass ich so gerne mal wieder würde…und es dann nicht mache.

Wenn du mit etwas unzufrieden bist, dann packe es jetzt an und versuche wenigstens, es zu ändern. Je länger du dich mit etwas zufrieden gibst, was nicht deinen Vorstellungen entspricht, desto eher verfällst du in einen alltäglichen Trott.

Ich laufe mit dem Wissen los, dass ich das hier gerade alles für mich mache und niemandem etwas beweisen muss. Sollte es irgendwann nicht mehr gehen, werde ich aufhören zu laufen. Es ist ein Test für mich, wie weit ich komme und gleichzeitig genau das Auspowern und …

… mich

mehr fühlen

mehr spüren

mehr wahrnehmen

wieder mehr zu selektieren.

Ich laufe los und fühle mich gut. Bis Kilometer 41 renne ich, genieße den Ausblick und die Schwätzchen mit Claudi. Dann merke ich, dass irgendwas in meinem Rücken nicht mehr so ist, wie es sein sollte, schmerzt und ich höre auf. Der Plan ist, mit dem Zug zurück nach Zürich zum Hauptbahnhof zu fahren, dann zum Brückliplatz zu laufen und auf Claudi zu warten, um dann die letzten 4 km mit ihr zum Auto zu laufen. Der Plan geht auf. Claudi rennt die 65 km, ich sitze am Brückliplatz und beobachte den See, das Treiben, die Menschen, einfach alles und genieße es, so ganz ohne Vorhaben einfach nur hier zu sitzen.

Keiner wartet auf mich

niemand verlangt etwas von mir

ich bin ich und kann einfach sein

Ich fühle mich tatsächlich frei. Nichts davon war Stress für mich. Mir kreisen keine Gedanken im Kopf herum. Ich bin einfach ausgelastet, erleichtert, stolz auf mich, habe innere Ruhe.

Nach diesem sehr erfüllenden Tag, der daraus bestand, einfach nur durch die Natur zu laufen, sich zu unterhalten und zu existieren, muss ich mich am nächsten Tag schon wieder auf den Weg nach Hause machen. Aber auch hier verbringe ich eine Stunde der Zugfahrt qutaschend mit einem fremden Menschen. Die Zeit vergeht so schnell, dass ich mich frage, wo sie geblieben ist.

Die zwei Begegnungen, von denen ich dir hier erzählt habe sind nur ein Bruchteil von dem, was ich erlebt habe und du erleben kannst, wenn du dich traust, aufzubrechen und auszubrechen, aus deinem normalen Alltag.LRM_EXPORT_308798164706680_20181006_212017136

Es geht nie darum, wie gut du bist, etwas zu tun, es geht vielmehr darum es zu wagen und dich auszuprobieren. Gut ist noch niemand geworden, der abgewartet hat, wann der richtige Zeitpunkt ist. Gut wird der, der handelt, der Fehler macht und lernt.

Tu´ dir etwas Gutes und mach einfach mal.

Deine Thea ❤

 

Danke an Claudi, Kati und dem „Papa“ für das schöne Wochenende und die liebe Begleitung!

 

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