3 Monate ohne: Experiment Konsumverzicht

Ich gebe zu, da ich mir selbst nicht über den Weg getraut habe, ob ich es denn wirklich schaffe, habe ich es nicht an die große Glocke gehängt und nur am Rande erwähnt: Vom 1. November 2017 bis 31. Januar 2018 habe ich auf alle unnötigen Konsumartikel, vorrangig Klamotten, verzichtet.

Was genau darunter fällt und wie ich dazu kam, erfahrt ihr hier.

Fangen wir vorne an: Wie kam ich überhaupt auf diese Idee?

Nach meinem Monat auf Hawai´i, das war der Oktober im letzten Jahr, und den vielen Eindrücken in Honolulu und Kona [zur Zeit des Ironmans] war ich sauer, verärgert und irgendwie hilflos.

Ich war geschockt, was aus meinem wunderschönen Kona während des Ironmans wird und habe es vor lauter Konsum, Werbung und Überfluss nicht mehr wiedererkannt.

Ich war erneut erschlagen von der Metropole Honolulu und kann bis heute nicht verstehen, wie scheinbar künstlich eine Notwenigkeit geschaffen wird, dass man tatsächlich mitten im Pazifik UGG-Boots oder teure Designermode kaufen muss.

Und was hilft am besten, wenn man außenstehende Dinge beginnt zu kritisieren?

Richtig.

Sich selbst zu hinterfragen.

Damit habe ich dann begonnen und bin zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen, dass ich die Wahrheit – aus Bequemlichkeit – viel zu lange verdrängt habe.

Ich besitze viele Klamotten. Kaufe weiter Neue. Begründen kann ich das nicht. Es gibt nicht für jedes Kleidungsstück eine Begründung. Es gibt wohl Kleidungsstücke, die sind in ihrem Kauf „abgesegnet“, klar. Aber brauche ich wirklich immer all das, was ich mir kaufe? Nein! Klar und deutlich: Nein!

Kurze Anmerkung: Ich lebe nicht im materiellen Überfluss [das zu definieren wäre langwierig, ich denke trotzdem, wer es verstehen möchte, wird es auch verstehen], nutze Dinge lange, gehe auf Flohmärkte und kaufe secondhand, aber trotzdem finde ich meinen Klamottenkonsum einfach noch zu hoch und nicht nachhaltig.

Nun ja, wieder in Deutschland gelandet, habe ich mir vorgenommen: 1 Monat lang keine Klamotten oder sonstigen Quatsch kaufen.

Darunter zählt: Bekleidung, Schuhe, Sportsachen, Krimskrams.

Ausgenommen sind: Hygieneartikel (gerade auf Hautpflege/ Neurodermitis bezogen), Nahrungsmittel, Bildungsmaterialien (Bücher, Zeitung) und meine Rolle, die ich mir in diesem Zeitraum gekauft habe.

Der Beginn war hart.

Zu konsumieren bedeutet temporäre Ausschüttung von Glücksgefühlen: Läuft etwas gut, kann man sich belohnen. Läuft etwas schlecht, kann man sich ebenfalls durch Konsum befriedigen. Wir sind ständigen Reizen ausgesetzt: Die Schaufenster der Läden in der Innenstadt wechseln scheinbar alle paar Wochen ihre Ausstellungen und so kann man immer schlechter einschätzen: Wars das jetzt mit der Frühjahrskollektion, oder kommt da noch was? Brauche ich das wirklich? Wann genau soll ich mich entscheiden?

Digital erscheint Werbung für Konsumartikel in unseren E-Mail-Postfächern, ploppt beim Surfen durch das Internet oder in den „Sozialen-Netzwerken“ auf.

Verpasse ich etwas?

Man verpasst nichts. Man muss einfach nur für sich ganz klar definieren: Bis hier her und dann stopp!

Nur „einfach“ sagt sich oft eben auch „einfach“.

Meiner Meinung nach ist das Verständnis für den (Kleidungs-) Konsum den wir betreiben, ein langer Prozess. Ich habe schon früher begonnen, Käufe nach und nach zu hinterfragen und oft kopfschüttelnd gesagt: „Nee, also ehrlich, eigentlich brauche ich das nicht“. Oder hatte gar keine Lust, irgendwas einzukaufen, weil die Eindrücke auf der Zeil in Frankfurt eher erschlagend, als stimulierend auf mich gewirkt haben.

Newsletter habe ich konsequent abbestellt und Werbekataloge/ Gutscheine landen seit November direkt im Müll.

Doch bewusst auf etwas zu verzichten ruft eben das Bewusstsein „ich kann das jetzt nicht haben“ in uns hervor. Eine unnatürliche Barriere versperrt uns plötzlich das, worin wir eigentlich frei wären, wenn wir uns selbst nicht darin behindern würden.

Ein geschärftes Bewusstsein kann nicht schaden.

Nachdem das doch etwas gegenwärtigere „bloß nichts Unnützes kaufen“ die ersten Tage in meinem Kopf präsent war, desto leichter wurde es danach.

Aus 1 Monat wurden 3 Monate Verzicht.

Der Dezember ging schnell vorüber. Da ich seit ein paar Jahren auch keinen Wert mehr auf Weihnachten lege, bestand dort auch keine Gefahr, das Vorhaben abzubrechen.

Neujahr.

Mit einer Freundin bummelte ich durch die Stadt. Schaute mir die ganzen Artikel im „sale“ an. Nichts. Kein Bedürfnis. Kein „och, das wäre jetzt doch schon ganz nett“. Nichts.

Dann kamen wir in die Buchhandlung und ich wurde schwach: Bücher! Ich könnte in Büchern baden [am Liebsten natürlich in einem Bücher-Pommes-Bad 😉]. Das war der Moment, indem ich beschlossen habe, dass der Konsum von Büchern völlig legitim ist.

Aus dieser Entscheidung heraus hat sich dann noch ein weiterer Punkt in meinem Leben [wieder] zum Positiven gewendet: Ich lese wieder täglich. Zufall oder Fügung, ich weiß es nicht.

Das Experiment „3 Monate ohne“ hat meine Sinne und meinen Verstand sensibilisiert. Begleitet davon, dass ich durch den Ausbruch von Neurodermitis sowieso nicht mehr jedes Kleidungsstück tragen kann, lebe ich nun noch ein Stück weit bewusster. Jedoch ohne Verzicht. Ich werde weiterhin einkaufen und konsumieren. Wohl aber aus einem anderen Blickwinkel heraus.

Mir ist es wichtig, dass ich im Leben das Wort „Verzicht“ meide. Für mich ist es irgendwie negativ behaftet. Bei Verzicht auf Etwas, schwingt immer auch ein bisschen Extreme mit. Und wo ein Extrem ist, ist auch das Nächste nicht weit.

Was ich aus dem Experiment gelernt habe?

Nachhaltiger zu denken.

Nicht nur, was Lebensmittel, Regionalität und Saisonalität betrifft, sondern auch Bekleidung und sonstige Konsumgüter. Man könnte sicherlich Seiten um Seiten damit füllen, zu hinterfragen, wo unsere Kleidung (uvm.) unter welchen Umständen produziert wird. Das ist z.B. einer der Gründe, weshalb ich mich noch immer nicht für eine Yoga-Matte entschieden habe. Ich möchte bei diesem Kauf so viel wie möglich richtig machen und auch nachhaltig im Sinne von „langlebig“  investieren.

Es mag ernüchternd sein, zu wissen, dass man selbst mit seinem Handeln nur ein ganz kleines Licht im Konsumkreislauf ist. Doch: Ein Anfang ist besser, als keiner 😊

 

Deine Thea ❤

 

16 Kommentare zu „3 Monate ohne: Experiment Konsumverzicht

  1. Hey Thea!
    Zunächst: ich finde das Thema suuuper spannend und auch Deinen Blogpost sowie Deine Ansichten richtig gut!
    Mein größtes „Problem“ stellt tatsächlich meist der Sportartikelkonsum dar – und zwar in all seinen Facetten: kaufe ich online, wo die Produkte deutlich günstiger sind (denn mal ehrlich, sofern damit nicht der lokale inhabergeführte Einzelhandel an der Marge beteiligt wird, bleibt ein Sportshirt eben immer ein Sportshirt) oder im Laden, ggf. Kette? Wie lange kann ich „brauchen“ tatsächlich rechtfertigen? Sollte ich auch bei Sportsachen mehr auf Nachhaltigkeit oder Qualität bzw. fairen Handel achten? Wie ließe sich das in der Kleinstadt überhaupt ohne Onlinehandel realisieren?
    Mich würde wirklich interessieren, ob Du Dir auch diese Fragen stellst. Schließlich wirst Du ja in gewissem Sinne „ausgestattet“ und musst Dir zumindest weniger Gedanken darum machen, ob und was Du kaufst. Hast Du den Eindruck, FairFashion könnte sich auch im Sportbekleidungsbereich etablieren? Und denkst Du, eine Gemeinschaft wie z.B. die AsicsFrontrunner können in diesem Punkt auf ein Unternehmen einwirken?
    Liebe Grüße aus Mittelhessen 😉

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    1. Hallo liebe Nicola, ich freue mich, so viele Gedanken anstoßen zu können. Tatsächlich habe ich mich ja schon vor meiner Zeit als Frontrunner (in Bezug auf unsere ASICSFrontrunner-Ausstattung) sportlich betätigt. Aus dieser Zeit kann ich dir sagen, dass ich ca. 4 Jahre !eine! lange Laufhose hatte. Und das ging auch. Aber auch heute – klingt verrückt – kaufe ich mir (oder auch nicht) ganz selbstständig ASICS-Laufbekleidung 😉 . Genau wie andere Sportartikel. Obwohl ich mich sportlich weiterentwickelt habe, besitze ich noch mein erstes Rennrad. Mit einem anderen könnte ich sicherlich noch mehr Zeit gut machen, aber dazu gehört eben ein gewisses Budget und die Jahre vorher habe ich auch keine Notwendigkeit darin gesehen, da für mich diese „Materialschlacht“ sowieso nicht nachvollziehbar ist. Insofern muss ich mir um meine Ausstattung schon Gedanken machen, da mir als Triathlet eben nicht alles „hinterher geschmissen“ wird. Du kannst dir zudem auch sicher sein, dass du beim Kauf eines Produktes vor Ort den Mitarbeiter, der eine tolle Beratung (sofern entsprechenden Laden ausgewählt, auch bei nicht-Inhaber-geführten-Läden) gibt, unterstützt. Auch der hat ja einen Job, der durch den Online-Handel gefährdet wird. Tatsächlich finde ich den Nachhaltigkeitsgedanken bei Sportartikeln interessant und irgendwie noch nicht so allgegenwärtig und würde diese Idee einfach mal weiter tragen 🙂 Je nach dem, was du als Kleinstadt definierst: Ein genauer Blick lohnt sich 😉 In Gießen gibt es z.B. auch Läden, die nachhaltige Mode(labels) führen. Ich hoffe, ich konnte dir teilweise Antworten auf deine Fragen geben. Falls nicht, lass es mich gerne wissen. Liebe Grüße 🙂

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  2. Ich denke dass es es einfacher wird wenn man sich ein Ziel setzt. Mit dem gesparten Geld kann man verreisen oder sich irgendwas anderes gönnen. Will ich auf einem Berg Klamotten sitzen oder lieber was Tolles erleben/verreisen/ein Auto kaufen…?

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  3. Danke für diesen Artikel. Ich hab deinen #1monatohne auf Instagram gesehen und fand die Idee toll! Werde ab heute meinen Monat starten. Mal sehen wie schwer das wird…
    Ich hab aber eher vor dem Ende Angst. Dass man danach alles kaufen möchte auf das man verzichtet hat.

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  4. Guten Morgen liebe Thea,
    Toller Beitrag! Habe ich gestern Abend zum einschlafen gelesen und muss sagen er hat mich ganz schön nachdenklich gestimmt. Da ich durch eine Veränderung meine Lebensumstände seit Wochen mein Konsumverhalten überdenke kam der Beitrag genau richtig. Ich habe mir deine Ideen als Vorbild genommen, mich von jedem Newsletter gelöscht und alle Shopping Apps vom Handy gelöscht. Es war unglaublich befreiend und erleichternd. Jetzt liege ich mit dem Laptop auf der Couch und räume nebenbei meine Instagram Abos auf.
    Ich werde den Monat ohne, nun auch starten und freue mich wirklich riesig auf die Veränderung meines Mindsets.
    Liebe Grüße Ines!

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    1. Liebe Ines, ich bin so glücklich über deine Nachricht dazu und freue mich sehr, dich inspirieren zu können. Für deinen #1Monatohne drücke ich dir die Daumen und bin gespannt auf deine Erfahrungen, die du währenddessen sammelst. Mein Update dazu folgt bald 🙂 Liebe Grüße!

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  5. Ich weiß gar nicht, was Ihr alle habt? Mir kann es gar nie so langweilig sein als in meiner freien Zeit sich in irgendwelches Getümmel stürzen und unnötiger Krempel zu kaufen.

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    1. Hey Fritzthecat, schön, dass du dir den Artikel durchgelesen hast! Kaufen kann man auch online, ganz ohne Getümmel. Aber darum geht es nicht. Wichtig ist, dass sich jeder seine Gedanken dazu macht und eine eigene Meinung dazu entwickelt. Ich freue mich hier und da tatsächlich, etwas Neues zu kaufen. Vielleicht habe ich es mir gewünscht, daraufhin gespart oder was auch immer. Auf jeden Fall hat sich meine Einstellung dazu nach dem #1monatohne sensibilisiert. Und das ist gut so 🙂

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      1. Nicht falsch verstehen: Ein geplanter Kauf (gewünscht, darauf gespart) ist eine gesunde Einstellung.
        Da weiß die Person, was sie wirklich braucht.
        Krank wird die Sache, wenn man mal los zieht (oder eben surft) und sich ohne Plan eindeckt.
        Ich habe einen Beruf, der körperlich sehr anstrengend sein kann. Mein Kollege sagt immer: Freu ich mich auf mein Sofa, und ein gutes Buch.
        Ich möchte nur damit sagen: Ich glaube viele Menschen sind einfach nur ausgelastet und suchen den Kick beim Einkauf.

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    1. Auf jeden Fall. Wenn du magst, schau dir mal meine Story von heute an. Ich war heute zufällig wieder in der Stadt und erkläre, weshalb es mir dort wie ergangen ist. So viel sei gesagt: Zu enge Hose: Es brauchte eine Neue 😉
      Ein gutes Buch, Ruhe und Zeit für sich sind unbezahlbare Momente!

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